8.4.06
DIE ZEIT, 6.4.06, S. 26,
schreibt am Ende des Betrags
"Der Schattenmann":


 

Für das Ulmer Münster geht ein mehrjähriger Planungsprozess für die Sanierung 
der Elektroanlage zu Ende, an dem neben einer Reihe von Gremien und Ausschüssen
der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm, das Landesdenkmalamt Baden-
Württemberg, eine Gesellschaft für Projektmanagement und ein Esslinger Ingenieur-
büro beteiligt waren. 

Das Hauptproblem könnte das gleiche gewesen sein wie in dem nebenstehenden
ZEIT-Auschnitt. Ist die Folge eine unverantwortliche Verschwendung von Spendenmitteln?

Sanierung der Elektroanlagen des Ulmer Münsters



Auszug aus einer Gedankennotiz zu der Begegnung am 3.4.06 im "Grünen Hof", 10.00 bis ca. 12.30

Nestle und Straub, seit Jahren ehrenamtlich für das Ulmer Münster in der Münsterauskunft und bei Planung, Konzeption und Pflege von 

www.muenster-ulm.de zeitaufwendig engagiert, haben Fragen zu Planung und Ausschreibung einer Sanierung der Elektroanlagen des Ulmer Münsters zusammengestellt. 
Als Reaktion wurden Einzelfragen dieser Planung in einer informellen Gruppe erörtert, die aus drei Entscheidungsträgern der evangelischen Münstergemeinde, einem Sachverständigen des Oberkirchenrats, einem Vertreter (EIB) des mit der Planung beauftragten Ingenieurbüros aus Esslingen und den beiden Fragestellern zusammengesetzt war.
Wenn es das Ziel des Treffens war, Aufgeschlossenheit für Anregungen "von unten" zu zeigen, so ist dieses Ziel voll erreicht worden. Dagegen ist es nicht gelungen, die Bedenken der Fragesteller zu entkräften; vielmehr sind diese Bedenken erhärtet worden:
...
Die Behandlung der Verteilertopologie im Niederspannungsnetz und der Steuerung durch ein intelligentes Bussystem (RPS) läßt die Vermutung zu, daß die Bedeutung dieser Frage für die Kosten der Sanierung und für die künftige Nutzung bei der Planung durch EIB keine nennenswerte Rolle gespielt hat und EIB das Thema herunterspielen möchte. Im Januar war von einer solchen Steuerung noch nicht die Rede. Soll das Münster, wie am 15.3.06 öffentlich gesagt wurde, wirklich mit 80 000 Metern Kabel verdrahtet werden? Das reicht bei der geplanten Sterntopologie für 400 einzelne elektrische Verbraucher an der der geplanten Zentrale entgegengesetzten Ecke des Münsters.
...
Beim Thema Notstromversorgung ist ungeklärt
- ob eine "Notstromversorgung" nach dem Versammlungsstättengesetz oder
- ob "unterbrechungsfreie Stromversorgung" (USV) angestrebt wird.
Es gibt dazu zwei Angaben, die eine große "Flexibität" der Planung erkennen lassen:
Januar 2006  2 kWh Reserve bei   2 kW Leistung 

3. April 2006 41 kWh Reserve bei 15 kW Leistung 

Was gilt nun eigentlich?

Die Januarangaben reichen aus, um mit 100 Leuchtstoffröhren 1 Stunde "Not-"Beleuchtung sicherzustellen (heller als die derzeitige Beleuchtung), bieten jedoch nicht genug Reserven, um zum Beispiel im Brandfall eine automatische Türöffnung zu gewährleisten.

Die Aprilangaben sind für eine Notstromversorgung kostentreibend überdimensioniert, jedoch sehr knapp, wenn USV angestrebt wird, damit zum Beispiel Mitwirkende und Zuhörer nicht bemerken, wenn während einer Aufführung von Verdis Requiem der Netzstrom ausfallen würde (ein Luxus, den sich unseres Erachtens das Münster nicht leisten kann).

Was wird tatsächlich gebraucht?


 

 
Zur Abwägung Batterieanlage-Notstromaggregat hat EIB sachlich falsche Angaben gemacht; EIB geht davon aus, daß ein 20 kVA-Aggregat 20 l Treibstoff pro Stunde verbraucht (Protokollnotizen von Straub und Nestle; ohne Erfolg hinterfragt von Nestle). 
Diese Angabe ist für einen Ingenieur blamabel (Siehe zum Beispiel ttp://www.wa-stromerzeuger.de/_produkte/stromerzeuger_hatz_3000u.php).
Ein Notstromaggregat verbraucht pro kWh ca. 250 g Diesel, das heißt, der Inhalt eines 20-Liter-Tanks reicht für mehrere Stunden bei 20 kVA.

Auch beim Kostenvergleich Batterie-Aggregat hat EIB sachlich falsche Angaben als Argumentationsgrundlage verwendet. 

38 000 € gab EIB an als Preis für ein 20 kVA-Aggregat. 

  5 652 € findet man dafür in einer Zehn-Minuten-Recherche im Internet
                     (Zum Beispiel in: http://www.sdmo.de/B_grossaggregat/B_01_gross_stromerzeuger_gesamt.htm).


               Für eine krankenhaustaugliche Version müssten ca. 2 000 € mehr ausgegeben werden. Genügt das nicht für das
               Ulmer Münster? 

Welcher Preis gilt?

8 000 € und Platzbedarf von 8 qm, die für die Batterieanlage angegeben wurden, enthalten nicht die gleichen Kostenanteile wie die für das Aggregat angegebenen. Eine reine Notstromversorgung für das Münster hätte in einem 60 cm breiten Schrank Platz, würde wesentlich weniger kosten und würde wesentlich geringere Folgekosten verursachen. 

Die "sachverständigen" Planer, die Planungsgremien und das Landesdenkmalamt verwenden sachlich falsche Grundlagen und leiten daraus ab, daß eine Erneuerung der Elektroanlagen des Ulmer Münsters nur möglich ist, wenn die derzeitige Münsterpforte in eine Technikschaltzentrale (mit einer die Explosionsgefahr berücksichtigenden, 8 qm großen Zelle für die Batterieanlage) umgebaut und an anderer Stelle eine neue Pforte gebaut wird. 

Die jetzige Planung erfordert für die Umsetzung Kosten in Höhe von mehr als 3 Millionen €. Eine alternative Planung mit rund einem Drittel dieser Summe und besserer Funktionalität ist denkbar.



 

Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ulm auf dieser Grundlage eine Kostenverpflichtung eingeht, die schon im Planungsstadium 3 Millionen € übersteigt, und deren Grundlagen so fragwürdig sind. Die Planung sollte von lokalem Sachverstand (u.a. wäre dieser bei der  Elektroinnung Ulm vorhanden in Verbindung mit einem Ulmer Ingenieurbüro) geprüft werden, statt die Verantwortung an eine Projektsteuerung in Reutlingen und ein Ingenieurbüro in Esslingen auszulagern. 

Im oben stehenden Beitrag ist nur ein Teil der problematischen Entscheidungen angesprochen worden. Eine Überprüfung würde weitere Sparpotentiale und Verbesserungsmöglichkeiten aufdecken.
 
 
 

8.4.06 Nestle/Straub; siehe auch www.münsterturm-ulm.de