Sanierung der Elektroanlagen am Ulmer Münster
Kompetenzprobleme

Die Fragesteller Nestle und Straub wurden für den 3.4.06 zu einer Demonstration der geplanten Sanierungsmaßnahmen in den Grünen Hof eingeladen.
 

 
Einzelfragen dieser Planung wurden in einer informellen Gruppe erörtert, die aus drei Entscheidungsträgern der evangelischen Münstergemeinde, einem Sachverständigen des Oberkirchenrats, einem Vertreter (EIB) des mit der Planung beauftragten Ingenieurbüros aus Esslingen und den beiden Fragestellern zusammengesetzt war.
Wenn es das Ziel des Treffens war, Aufgeschlossenheit für Anregungen "von unten" zu zeigen, so ist dieses Ziel voll erreicht worden. Dagegen ist es nicht gelungen, die Bedenken der Fragesteller zu entkräften; vielmehr sind diese Bedenken erhärtet worden:
 
- Die Behandlung der Verteilertopologie im Niederspannungsnetz und der Steuerung durch ein intelligentes Bussystem (RPS) läßt die Vermutung zu, daß die Bedeutung dieser Frage für die Kosten der Sanierung und für die künftige Nutzung bei der Planung durch EIB keine nennenswerte Rolle gespielt hat und EIB das Thema herunterspielen möchte.  Im Januar war von einer solchen Steuerung noch nicht die Rede. Die Planung sieht zu diesem Zeitpunkt vielmehr als Verteilung eine Sterntopologie vor, bei der jeder Verbraucher einzeln mit einer zentralen Schalttafel verbunden wird. Soll das Münster, wie am 15.3.06 öffentlich gesagt wurde, wirklich mit 80 000 Metern Kabel verdrahtet werden?

Die Steuerung der Verteilung mit Hilfe eines Bussystems macht viele Leitungen entbehrlich, erweitert die Bedienungsmöglichkeiten und ist wesentlich billiger.
 

- Beim Thema Notstromversorgung ist ungeklärt,
  -- ob eine "Notstromversorgung" nach dem Versammlungsstättengesetz oder
  -- ob "unterbrechungsfreie Stromversorgung" (USV) angestrebt wird.
Es gibt dazu zwei Angaben, die eine große "Flexibilität" der Planung erkennen lassen:
Januar 2006  2 kWh Reserve bei   2 kW Leistung

3. April 2006 41 kWh Reserve bei 15 kW Leistung

Was gilt nun eigentlich?

Nachfragen nach den Kritierien für die Dimensionierung wurden nicht beantwortet.

Die Januarangaben reichen aus, um mit 100 Leuchtstoffröhren 1 Stunde "Not-"Beleuchtung sicherzustellen (heller als die derzeitige Beleuchtung), bieten jedoch nicht genug Reserven, um zum Beispiel im Brandfall eine automatische Türöffnung zu gewährleisten.

Die Aprilangaben sind für eine Notstromversorgung kostentreibend überdimensioniert, jedoch sehr knapp, wenn USV angestrebt wird, damit zum Beispiel Mitwirkende und Zuhörer nicht bemerken, wenn während einer Aufführung von Verdis Requiem der Netzstrom ausfallen würde (ein Luxus, den sich unseres Erachtens das Münster nicht leisten kann).

Was wird tatsächlich gebraucht?

Die Frage wurde nicht beantwortet.

Während man die vorstehenden Äußerungen zu subjektiven Meinungen erklären kann, geht es bei den folgenden beiden Punkten um unwiderlegbare Tatsachen. 
Zur Abwägung Batterieanlage-Notstromaggregat hat EIB zwei sachlich falsche Angaben gemacht:

 
1. EIB geht davon aus, daß ein 20 kVA-Aggregat 20 l Treibstoff pro Stunde verbraucht (Protokollnotizen von Straub und Nestle; ohne Erfolg hinterfragt von Nestle).
Diese Angabe ist für einen Ingenieur blamabel. In der Vor-PISA-Zeit hätte fast jeder Abiturient bei einer solchen Äußerung stutzen müssen. (Siehe zum Beispiel - Stand 4.4.06 - http://www.wa-stromerzeuger.de/_produkte/stromerzeuger_hatz_3000u.php).
Ein Notstromaggregat verbraucht pro kWh jedoch nur ca. 250 g Diesel, das heißt, der Inhalt eines 20-Liter-Tanks reicht für mehrere Stunden bei 20 kVA. Damit entfällt das Argument mit den Vorschriften für die Lagerung größerer Treibstoffmengen, das gegen ein Notstromaggregat angeführt wurde.

2. Auch beim Kostenvergleich Batterie-Aggregat hat EIB sachlich falsche Angaben als Argumentationsgrundlage verwendet.

38 000 € gab EIB an als Preis für ein 20 kVA-Aggregat, dagegen nur 8 000 € für

                die gesamte Batterieanlage.
  5 652 € findet man dafür in einer Zehn-Minuten-Recherche im Internet
                     (Zum Beispiel  - Stand 4.4.06 - in: http://www.sdmo.de/B_grossaggregat/B_01_gross_stromerzeuger_gesamt.htm).


Für eine krankenhaustaugliche Version müssten ca. 2 000 € mehr ausgegeben werden. Genügt das nicht für das Ulmer Münster?

Wir sehen in diesen falschen Angaben den erfolgreichen Versuch der manipulativen Täuschung des Auftraggebers. Wäre hier mit den Tatsachen anstelle falsifizierbaren Aussagen argumentiert worden, so wären nicht nur korrigierbare, zum Teil sehr gewichtige Ausführungsdetails fraglich geworden, sondern es wäre einer für das Münster schwerwiegenden und für die Münstergemeinde kostspieligen Entscheidung die Grundlage entzogen worden: der Umwidmung der jetzigen Pforte in eine überdimensionierte Technik- und Notstromzentrale. Diese erscheint nachträglich nicht mehr als bedauernswerte Folge der Technikplanung, sondern vielmehr als billigend in Kauf genommene oder sogar angestrebte Veränderung.

Da die obigen Darlegungen einen schwerwiegender Vorwurf beinhalten, hatten wir versucht, am 4.4.06 mit einer Email an EIB eine Klärung vorzunehmen, ehe wir diesen Vorwurf allgemein erheben. 

EIB hat es abgelehnt, ohne Auftrag der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde mögliche Mißverständnisse auszuräumen. In einer Email vom 5.4.06 hatten wir diesen Auftrag erbeten.  Mit Email vom 22.4. erhielten wir die Nachricht, daß wir nach Klärung unserer Fragen Bescheid bekommen würden. Am 21.6. hatten wir per Email nachgefragt, bis wann mit den Anworten von EIB zu rechnen sei. Am 22.6.06 erhielten wir die Antwort, daß wir keinen Einblick in die Stellungnahme erhalten, weil sonst das Risiko bestehe, daß Dritte davon erfahren.  Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß der Ständige Ausschuss das von uns organisierte Spendenangebot ablehne mit der Begründung:

"Der Ständige Ausschuss ist der Überzeugung, dass das Thema im Fachausschuss kompetent beraten wird "

Wie weit diese Vorgänge verträglich sind mit der

„Grundlage für eine glaubwürdige Kirche“ 

(Zitat aus www.kirche-gestalten.de, dem Projektportal der Evangelischen Landeskirche Württemberg), ist wieder keine Frage von Fakten, sondern von subjektiven Einschätzungen.