Zwei technische Details

   Elektroverteilung
   Notstromversorgung

Die derzeitige Elektroverteilung
(Münsterpforte im Südwesten)

Mehr als 25 Kabelstränge gehen von hier aus, zum großen Teil parallel, zu Verbrauchern. Die Leitungslängen betragen zum Teil 40 bis über 100 Meter. Die Leitungen versorgen unter anderem Orgel, Glocken und die Beleuchtung im Inneren der Kirche. Manche Leitungen sind schon sehr alt (und ordentlich beschriftet), andere sind jüngeren Datums. (Die Blechabdeckung ist erst 2006 angebracht worden.)
 
 
 

Das nächste Bild zeigt das Innere des Verteilerschranks. 

Geplant ist, diesen Verteilerschrank durch 7 (sieben!) Schränke gleicher Größe zu ersetzen und weiterhin alle Verbraucherleitungen einzeln von hier aus zu schalten und abzuführen. Diese Riesenschalttafel soll die alten Verbraucher und zusätzlich Baustromanschlüsse versorgen.

Aus
soll also,  tonnenschwer und fast ohne neue Funktionalität

werden. Das ist in den Zeiten der Miniaturisierung

1. Größenwahn
2. bald 50 Jahre hinter dem Stand der Technik
3. viel zu teuer.

Wenn alle Leitungen zentral von einer Stelle aus verteilt werden, so nennt man das "Schaltung in Sterntopologie". Bei Leitungen, die zum Teil mehr als 100 Meter lang sind, ist das eine Riesenverschwendung. Nach dem Stand der Technik verwendet man heute ein RPS-System, bei dem die Schaltung dezentral erfolgt. Im Fall des Ulmer Münsters reduziert sich die zu verlegende Kabellänge auf rund ein Zehntel, die Schalltafel auf weniger als ein Drittel! Das würde beträchtliche Kosten sparen.

Die Frage wurde, Rückfragen zufolge, im Fachausschuß inhaltlich nicht diskutiert. Trotzdem stellt der Ständige Ausschuß am 14.6.06 fest:

"Der Ständige Ausschuss ist der Überzeugung, dass das Thema im Fachausschuss kompetent beraten wird "


Diese Selbstüberschätzung des Ausschusses wird das Ulmer Münster mehr als 1 Million Euro kosten und zu einer Neuanlage führen, die weit hinter dem Stand der Technik zurückbleibt - ein Vorgang, der nach unserer Auffassung in der Öffentlichkeit dringend der Diskussion bedarf. Eine Erneuerung ist zwar notwendig, in der geplanten Form (Stand Januar 2006) jedoch im Ansatz veraltet und zu teuer.


Die Notstromversorgung

Ein zweites Problem bei der Erneuerung der Elektroanlagen ist die Notstromversorgung. Wenn heute in einer Abendveranstaltung der Strom ausfällt, erlischt auch die gesamte Beleuchtung. Es erscheint daher zwingend, eine Notbeleuchtung einzurichten.

Üblich ist heutzutage in Versammlungsstätten als Minimum eine Beleuchtung der Fluchtwege, die durch dezentrale Notlichteinheiten gesichert wird. Diese schalten sich bei Stromausfall automatisch ein.

Darüber hinaus wird, zum Beispiel für Computeranlagen, eine "unterbrechungsfreie Stromversorgung" (USV) gefordert, damit der Betrieb der Anlage zur Überbrückung eines Stromausfalls weitergeführt werden kann.

Die Frage, ob das Münster USV braucht und in welchem Umfang, wurde, Rückfragen zufolge, im Fachausschuß nicht diskutiert.  Trotzdem stellt der Ständige Ausschuß am 14.6.06 fest:

"Der Ständige Ausschuss ist der Überzeugung, dass das Thema im Fachausschuss kompetent beraten wird "

Die Planung Stand Januar 2006 sieht eine mit einer Batterieanlage realisierte USV mit 2 kW und 2 kWh Leistungsreserve vor; im April sind es plötzlich 15 kW und 41 kWh, inzwischen im August 43 kW. Eine Begründung für diese Änderung war nicht zu erhalten.

Der Kölner Dom verwendet für seine Notstromversorgung einen Notstromgenerator. Warum ein solcher im Münster nicht eingesetzt werden kann, wird mit den höheren Kosten dieser Lösung und Vorschriften zur Treibstofflagerung begründet. Die Argumentation des Planungsbüros dazu ist sachlich falsch. Trotzdem stellt der Ständige Ausschuß am 14.6.06 fest:

"Der Ständige Ausschuss ist der Überzeugung, dass das Thema im Fachausschuss kompetent beraten wird "


Er läßt uns dazu mitteilen

"Wir lassen uns eine öffentliche Diskussion zu diesem komplizierten Sachverhalt nicht aufzwingen! Deshalb werden wir Ihre Darstellung weder prüfen noch kommentieren."

Vorher hat der Ausschuss die interne Diskussion abgebrochen. Werden hier Mängel der eigenen Arbeit mit der Arroganz der Macht zugedeckt?

Wir bleiben bei unseren Fragen. Die derzeitige  Entscheidung des Ausschusses hätte die Einbringung von weiteren Tonnen Baumaterial und Blei und die entsprechenden Kosten zur Folge.

Der Papst ist seit dem 1. Vatikanum nur in Fragen der christlichen Lehre unfehlbar.  Dieser Konzilsbeschluss war hart umkämpft. Als letzter hatte der damalige katholische Bischof Hefele aus Rottenburg aufgegeben: Laudabiliter se subiecit (Löblicherweise hat er sich doch unterworfen). 

Der Ständige Ausschuß der evangelischen Gesamtkirchengemeinde hält sich auch in Sachfragen für unfehlbar und für berechtigt, Tatsachen weder zu prüfen noch zu kommentieren! Mehrere Monate lang haben wir (Nestle und Straub) versucht, in internen Diskussionen eine Überprüfung der Planung zu erreichen. Dafür wird uns jetzt "billige Polemik" und mangelndes "Fairplay" vorgeworfen.