Das Ulmer Münster wird zur Zeit von JAM (NO-Kreis) und von der Deutschen Bank (SW-Kreis) her in zwei getrennten Stromkreisen mit Strom versorgt. Zum Teil sind die Elektroanlagen sanierungsbedürftig, zum Teil veraltet. Der Anschlusswert im SW-Kreis reicht für manche Bedürfnisse nicht aus. Es gibt keine zentrale Schaltanlage für alle Verbraucher.
Dringend sind
die Vorsorge für einen Stromausfall,
die Einrichtung von hinreichend vielen Baustromanschlüssen,
die Sicherung eines hinreichenden Leistungsangebots
für die einzelnen Funktionen,
eine Erneuerung vieler elektrischer Leitungen.
Die Planung der Sanierungsmaßnahmen wurde nach einer begrenzten Ausschreibung an ein Eßlinger Ingenieurbüro vergeben. Im Lösungsansatz dieses Büros werden eine Reihe von Vorentscheidungen als zwingend dargestellt, die jede für sich beträchtliche Folgekosten generiert - und die alle einen technischen Stand repräsentieren, der schon seit vielen Jahren überholt ist.
Zu (1)
Hier wird davon ausgegangen, daß die Notstromversorgung durch
eine zentrale Batterienanlage sichergestellt werden muß, wobei deren
Dimensionierung, jeweils ohne Begründung, zwischen Januar 2006 und
März 2006 von 2 kWh bei 2 Kw auf 41 kWh bei 15 kW verändert worden
ist. (Inzwischen, im August, ist von 43 kW die Rede.) Als einzige Möglichkeit
für die Aufstellung der Batterieanlage wird der Einbau eines Batterieraums
in die jetzige Pforte dargestellt. Für die ursprüngliche Dimensionierung
ist das Argument sachlich falsch; die neue Dimensionierung wird nicht begründet.
Gegen eine Notstromversorgung mit Aggregat werden zwei Argumente angeführt: Die Kosten (38 000 € allein für das Aggregat) und die Vorschriften über die Lagerung des Dieselkraftstoffs. Beide Argumente sind sachlich falsch. Die Kosten für das Aggregat liegen unter 10 000 €; beim Kraftstoffvorrat wird von einem Verbrauch von 20 Litern pro Betriebsstunde (für 20 kW) ausgegangen, während nach dem Stand der Technik weniger als 5 Liter pro Stunde erforderlich sind. Dann gelten keine einschränkenden Lagerbedingungen. Ein solches Aggregat läßt sich problemlos in der alten Sakristei unterbringen.
Beim Kölner Dom wird die Notstromversorgung mit einem Aggregat sichergestellt.
Wenn nur eine Notbeleuchtung eingerichtet werden soll, so wird diese heute in der Regel dezentral sichergestellt.
Der Einbau einer zentralen Batterieanlage in einem speziell dafür vorgesehenen, den umfangreichen Vorschriften entsprechenden Raum ist entbehrlich. Für die Notstromversorgung ist daher keine Umwidmung der Pforte in eine Technikzentrale erforderlich.
Zu (2)
Der Strombedarf für bauliche Pflegearbeiten muß über
einen eigenen Zähler beziehungsweise Wandler abgerechnet werden. Um
überlange provisorische Leitungen zu vermeiden und die Brandschutzvorschriften
einhalten zu können, besteht die sachliche Notwendigkeit, hinreichend
viele Baustromanschlüsse einzubauen. Die diesbezüglichen Vorschläge
des Planungsbüros stellen technische Möglichkeiten dar, die nur
in Kleinigkeiten verbessert werden können. Inzwischen (August 2006)
sei die Zahl der Baustromanschlüsse auf rund die Hälfte reduziert
worden.
Zu (3)
Zur Zeit ist der Anschlußwert des NO-Kreises rund sechs Mal so
groß wie der Anschlußwert des SW-Kreises. Schon für die
Versorgung der jetzt im SW-Kreis angeschlossenen Verbraucher reicht das
Leistungsangebot nicht aus; zusätzlicher Baustrom steht in diesem
Stromkreis nicht zur Verfügung. Die Planung sieht daher vor, den Anschlußwert
für den SW-Kreis durch eine neue Leitung vom städtischen Verteiler
in der deutschen Bank auf das Dreifache zu erhöhen.
Das weitaus höhere Leistungsangebot im NO-Kreis wird nur wenige
Stunden im Jahr zu mehr als der Hälfte in Anspruch genommen. In der
denkbaren kurzen Zeit einer vollen Auslastung kann auf die Abnahme von
Baustrom verzichtet werden. Es bietet sich daher an, anstelle einer
Aufstockung der Anschlußleistung im SW-Kreis die beiden Kreise in
einer bedarfsgesteuerten Wechselversorgung zu koppeln. Dies ist heute Stand
der Technik.
Zu (4)
Hier sieht die Planung eine viele Meter lange zentrale Schalttafel
für eine sternförmige Verteilertopologie vor. Auch diese könnte
dann entsprechend der Planung nur in der jetzigen Pforte untergebracht
werden. Es ist von 80 000 Metern neuer Kabel die Rede.
Der Stand der Technik würde mit wesentlich geringeren unmittelbaren Kosten eine virtuelle Schalttafel erlauben, auf die von fast beliebiger Stelle aus zugegriffen werden kann. Die Verkabelung würde bei Verwendung eines RPS-Systems (remote power switsching) auf einen Bruchteil der jetzigen Planung zusammenschrumpfen.
Neben den geringeren Kosten für die Verkabelung und den Vorteilen für die Nutzung würde auch unter diesem Gesichtspunkt die Notwendigkeit der Umwidmung der Pforte entfallen.